Kennst Du das Gefühl, Dinge einfach aussprechen zu wollen, aber die Worte bleiben im Hals stecken? Manchmal sind es gerade die ungesagten Spannungen, die unser Zusammenleben belasten. In solchen Momenten kann die Familienskulptur oder Aufstellung einen befreienden Zugang eröffnen: Durch räumliches Anordnen von Personen oder Symbolen werden Beziehungsdynamiken in Deinem System greifbar, ohne dass Du einen einzigen Satz sprechen musst. Denn manchmal fallen uns die Worte halt nicht ein, die richtig wären.

Begrifflichkeiten der systemischen Beratung: Systeme
In dieser Serie möchte ich Begrifflichkeiten der systemischen Beratung vorstellen und erklären. Ich versuche anhand von Beispielen und Alltagssituationen meine Arbeit transparent darzustellen.
Wie Familienskulptur funktioniert
Stell Dir vor, Du betrittst einen Raum in einer Mediation bei mir. Wir haben Platzmarkierungen auf dem Boden oder Stühle, auf denen Stellvertreter*innen sitzen. Vielleicht nutzt Du Gegenstände – eine Puppe für Dein Kind, eine Schale für Dich selbst, einen Stuhl für Deine*n Partner*in oder wichtige Situationen aus der Vergangenheit. Dann positionierst Du diese Elemente so, wie Du es innerlich empfindest: nah oder weit, im Kreis oder in einer Linie, Rücken an Rücken oder im direkten Blickkontakt.
Schon durch diese Aufstellung wird sichtbar,
- wer sich distanziert fühlt,
- wo es Enge oder Überforderung gibt,
- welche Personen oder Themen besonders viel Raum einnehmen.
Ohne viele Worte entsteht ein räumliches Bild Deines (Eures) Familiensystems.
Warum Aufstellungen so kraftvoll sind
- Nonverbales Erkennen
Manchmal kannst Du gar nicht in Worte fassen, warum Du Dich unverstanden fühlst. Die Skulptur/Aufstellung zeigt es trotzdem – in der Körperhaltung, im Abstand, in Blickrichtungen. Die Möglichkeit, sich auszudrücken, hängt natürlich von den gewählten Figuren/Skulpturen ab. Aber Vorsicht, nicht zu komplex werden. Meine Erfahrung zeigt, dass zu viel Komplexität zu Beginn eher hemmt. - Neue Perspektiven
Wenn Du etwa Deine*n Stellvertreter*in für Dein inneres Kind neu aufstellst – näher zu Dir oder Richtung Fenster –, gewinnst Du ein Gefühl dafür, wie Du Deinem Kind mehr Schutz oder Freiheit schenken könntest. - Ressourcen entdecken
Oft stehen Stellvertreter*innen still, ohne sich zu bewegen. Ich empfehle immer – wenn möglich – eine Geste zu setzen: einen Schritt nach vorn, eine Hand auszustrecken. So findest Du Zugang zu positiven Kräften im System, die bislang ungenutzt blieben. - Virtuelle Aufstellungen
Auch digital kann das gelingen: Mit Bildern auf dem Bildschirm oder Piktogrammen in einem Online-Raum gestaltest Du Dein System. So bleibt mediales Distanzieren möglich – und dennoch erlebbar. Damit meine ich nicht, dass Du es alleine in der Küche vor dem Laptop machst oder unterwegs in der S-Bahn. Auch die virtuelle Aufstellung sollte von einer/einem systemischen Berater*in begleitet werden.

Jetzt fragst Du vermutlich, wann eine Aufstellung ein geeignetes Mittel ist. Hier sind ein paar Beispiele aus der Praxis, in welchen sich Familienskulptur/Aufstellung meiner Erfahrung nach bewährt haben.
- Eltern-Kind-Konflikte
Du stellst Dich selbst und Dein(e) Kind(er) auf. Vielleicht erkennst Du, dass Du unbewusst zu weit wegstehst – weil Du Dich überfordert fühlst. Dieses Bild lädt Dich ein, einen Schritt auf Dein(e) Kind(er) zuzugehen, symbolisch und später im echten Leben. - Wandel in Partnerschaften
Die Stellvertreter*innen für Dich und Deine*n Partner*in stehen Rücken an Rücken. In einer zweiten Runde drehen sie sich zueinander, ein kleiner Abstand bleibt. Diese neue Haltung kann Euch im Gespräch helfen, vertrauensvoller zuzuhören. - Mehrgenerationen-Dynamik
Mit drei oder vier Stellvertreter*innen kannst Du Großeltern, Eltern und Kinder abbilden. Ungleichgewichte – wer trägt die Last? Wer fühlt sich unsichtbar? – werden auf einen Blick erkennbar.
So startest Du selbst eine Mini-Aufstellung
Grundsätzlich kannst Du für Dich alleine eine Aufstellung aufbauen. Das ist nicht schwer. Wie zuvor erwähnt, ist es meist hilfreich, dabei eine professionelle Begleitung zu haben. Es spricht aber absolut nichts dagegen, dass Du es vorab alleine versuchst. Dazu folgende Schritte als Hilfestellung.
- Wähle Deine Elemente: Menschen, Stühle, Kissen oder Symbole reichen.
- Markiere Deinen Raum: Klebe Pflasterkreuze oder lege Seile auf den Boden. Nimm ein Papierblatt zur Hand und markiere hier die Räume.
- Ordne an, was Du spürst: Positioniere die Elemente, wie es für Dich in diesem Moment stimmt.
- Beobachte und verändere: Schau Dir an, was Du siehst. Spiele mit Abständen und Blickrichtungen.
- Reflektiere im Anschluss: Welche Erkenntnis nimmst Du mit? Wie möchtest Du in Deinem Familiensystem einen neuen Schritt setzen?
Kleiner Geheimtipp: Wenn Du es versuchst, mach auf jeden Fall Bilder der Aufstellung. Und das aus mehreren Positionen. So kannst Du später, solltest Du eine systemische Beratung in Anspruch nehmen, den ersten Versuch erneut aufbauen. Auch Veränderungen können so eventuell direkt erkannt werden.
Dein nächster Schritt
Familienskulpturen und Aufstellungen sind ein kraftvolles Werkzeug, um unsichtbare Spannungen sichtbar und lösbar zu machen. Wenn Du neugierig bist, diese Methode in einem geschützten Rahmen auszuprobieren und echte Veränderung zu erleben, lade ich Dich ein: Kontaktiere mich. Gemeinsam schaffen wir Klarheit in Deinem System.
Hilfsangebot
Buche jetzt Dein Erstgespräch bei mir, Annemarie Eiweleit, in Rostock. Mit systemischer Beratung und Mediation finden wir heraus, wie Du Dein Familiensystem neu gestalten kannst – Schritt für Schritt, sichtbar und nachhaltig.
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